Der Reiseblog der Gebrüder Borkert

Monat: März 2023 Seite 1 von 2

Guajira

Guajira ist ein seltsamer Teil Kolumbiens. Eine Wüste direkt an der Küste sorgt für eine sehr beeindruckende Szenerie. Leider ist es aufgrund fehlender Straßen und sonstiger Infrastruktur nicht wirklich möglich, diesen Teil allein zu bereisen. Deshalb schloss ich mich einer Tour an. Im Toyota LandCruiser würden wir vier Tage und 3 Nächte durch die Wüste fahren und unterwegs die Landschaft genießen sowie etwas über die Ureinwohner lernen. 

Los ging es also morgens von Riohacha gen Osten. Schon bald hörten die Straßen auf und es ging zunächst über Schotterpisten, dann auf Sandstraßen in Richtung Cabo de la Vela. 

Unser Fahrzeug war zwar nicht mehr das Neuste und bequemste, aber brachte uns (natürlich nur Dank eines guten Fahrers) sicher von A nach B. 

Zu essen gab es, was die Menschen in der Region so essen: entweder Fisch (im Ganzen gebraten und mit den üblichen Beilagen (siehe letzter Eintrag) serviert) oder Ziege in allen Varianten. Beides sehr lecker, wäre aber auf Dauer etwas wenig abwechslungsreich. 

Die Nächte verbrachten wir in Hängematten in traditionellen Behausungen der Einwohner: aus Kaktus gebaut und nur auf der dem Wind zugerichteten Seite geschlossen war das überraschend gemütlich. Ich hatte etwas Bedenken wegen der Hängematte, aber wenn man sich etwas schräg hineinlegt (damit man nicht zu sehr in der Mitte gefaltet wird) ist es doch überraschend erholsam. 

Beeindruckende Landschaften mit Worten zu beschreiben macht wenig Sinn, also sehr hier:

Wobei Fotografien die Athmosphäre natürlich nur schwer einfangen können…

Am vorletzten Tag unternahmen wir eine Bootsfahrt auf der Bahia Hondita. Es war ordentlich nass und leider versteckten sich die Flamingos auch an einem uns unbekannten Ort. 

Anschließend besuchten wir ein Dorf der Wayuu, also der Ureinwohner. Wir durften beim Ziegen eintreiben helfen und erfuhren einiges über ihre Lebensweise. Aber ich muss sagen, dass sich dieser Teil der Tour eher wie ein Zoo abgefühlt hat. 

Auf dem gesamten Weg durch die Wüste stießen wir auf hunderte „Straßensperren“, bestehend aus einem Ast, der in den Boden gerammt worden war und einem Seil oder Kette über den Weg. Gegen einen Wegzoll (i.d.R. ein Stück extrem unnahrhaftes Weißbrot oder eine Süßigkeit) ließen die Kinder die Autos passieren. 

In diesem Teil Kolumbiens ist es den Eltern freigestellt, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Und so ziehen es viele Eltern vor, sie betteln zu schicken. Das ist natürlich sehr traurig und ich verstehe nicht, warum diese Praxis durch die Tourunternehmen unterstützt wird. Die Straßensperren sind kein wirkliches Hindernis und wir durchfuhren auch zahllose, ohne zu „bezahlen“. Auch berichtete unser Fahrer, der aus dem Gebiet stammt und einige der Kinder persönlich kannte, dass diese „Hilfe“ zum Überleben nicht wirklich notwendig sei. Zwar sind die Menschen arm, müssen aber i.d.R. keinen Hunger leiden. 

Insgesamt gibt es in Kolumbien, wie im Rest Lateinamerikas, kaum Bahnstrecken. Eine der wenigen davon ist hier, mitten in der Wüste. Mit ihrer Hilfe wird Kohle aus dem flächenmäßig größten Steinkohletagebau Lateinamerikas zum Hafen transportiert, von wo sie in alle Welt, vor allem aber nach Europa und insbesondere Deutschland, gebracht wird. Wobei in letzter Zeit China als Abnehmer immer wichtiger wird. Pro Tag werden 48.000 Tonnen Kohle gefördert. Die Züge sind dementsprechend lang und wir mussten am Bahnübergang ganz schön lange warten. 

Quasi als Gegensatz dazu besuchten wir am 2. Tag der Reise eine Windfarm. Was für uns nun wirklich nichts besonderes ist, war für die Kolumbianer in meiner Reisegruppe ein einmaliges Erlebnis und sie wussten zunächst nicht so richtig, wozu diese Maschinen dienen sollten. Nun traf das vielleicht nicht unbedingt ihr Interessengebiet (das eher bei Instagram zu liegen schien), dennoch fand ich es bemerkenswert, dass dies für sie völlig neu war. Aber ja, ich habe auf meiner restlichen Reise keine anderen Windräder mehr gesehen, also ist das vielleicht nicht so verwunderlich.  

Als wir am 4. Tag nach Riohacha zurückkehrten, hatte ich auf jeden Fall eine Dusche nötig. Durch die feucht-salzige Luft war ich insgesamt sehr klebrig. (Es gab unterwegs aber die Möglichkeit zur Eimerdusche, keine Sorge. Nur hielt der Effekt nicht sonderlich lange an)

Voller schöner Eindrücke in meinem Kopf, genauso schöner Bilder in der Kamera und etwas nachdenklich endete der Ausflug in die Wüste. Ich hatte das Glück, schon ein paar Wüsten dieser Erde besuchen zu dürfen. Jede ist anders, aber strahlt auf ihre Art eine gewisse Magie aus. Zumindest finde ich das und ich frage mich schon, welche Wüste ich als Nächstes besuchen darf. Zählt der Atlantik als Wasserwüste?

Danke für Eure Zeit und bis zum nächsten Mal 😉

Minca und Santa Marta

Die Karibikküste ist sicherlich der meistbereiste Teil des Landes. Würde es mir trotzdem gelingen, ein paar wenigtouristische Ecken zu finden?

Die erste Station war das Dorf Minca. Es fehlt sei einigen Jahren quasi auf keiner Backpacker-Reise durch Kolumbien. Einst Gebiet der Guerillas, wird es heute von Touristen dominiert. Es gibt viele Restaurants, die den internationalen Gaumen (Plural) wohltun, aber nicht mehr viel „authentisches“. In Bezug auf das Essen ist das aber garnicht so schlimm, denn die „traditionelle kolumbianische Küche“ konnte mich bisher nicht so richtig überzeugen. (vorsichtig formuliert)

Ein typisches Gericht besteht aus oft zu lange gegrilltem/ gebratenem Fleisch (Hühnchen, Rind oder Schwein) mit fritierter Kochbanane, kaltem Reis und etwas Salat. Nicht besonders aufregend wenn ich ehrlich bin.

Aber zurück nach Minca: durch die Lage an den Hängen der Sierra Nevada ergibt sich ein tropisches Feuchtklima mit entsprechender Flora und Fauna. Die Biodiversität ist extrem hoch und es gibt z.B. unzählige Vogelarten, die teilweise endemisch sind. Ob kch einen Toucan gesehen habe oder nicht, kann ich bis heute leider nicht genau sagen… Insgesamt sind die Tiere sehr gut darin, sich zu verstecken.

Es werden Kaffee und Kakao angebaut und man kann diese Farmen besichtigen und sich zeigen lassen, wie die Verarbeitung erfolgt. Der Trip in die Berge lässt sich gut mit einer Wanderung verbinden. Die Offline-Karten-App Maps.Me rettet hier oft den Tag, da sie viele Wanderwege kennt, die sonst nirgends verzeichnet sind und außerdem ohne Internet funktioniert. (Insgesamt scheint die Netzabdeckung zwar besser als in Deutschland zu sein, aber im Nirgendwo funktioniert es natürlich nicht)

Das Hostel war zwar nur 10 Minuten Fußweg vom Ort entfernt, aber dennoch mitten in der Natur. Man konnte den Fluss rauschen hören und die restlichen Geräusche des Dschungels ebenfalls, während man den Ausblick aus der Hängematte genoss. Der hauseigene Aussichtspunkt bot (nach anstrengenden 15 Minuten Aufstieg) spektakuläre Aussichten auf den Sonnenuntergang.

Nach 3 Nächten ging es weiter nach Santa Marta, eine der ältesten Städte des Kontinents. Davon sieht man zwar heute nicht mehr allzu viel, aber über fehlende Authentizität kann man sich hier nicht beklagen. In der Stadt selbst gibt es zwar keinen richtigen Badestrand, aber in der Umgebung sehr wohl, sodass viele inländische Touristen hier her kommen.

Als nächstes ging die Reise nach Guajira in die Wüste zum nördlichsten Punkt des südamerikanischen Kontinents. Der Trip dorthin war auf jeden Fall eines meiner Highlights der gesamten Reise und es ist ein Blogbeitrag, auf den ich mich besonders freue. Ihr dürft also gespannt bleiben!

Bis bald!

Villa de Leyva, San Gil, Barichara, Giron

Guten Abend liebe Leser,

deende Blogeintrag beschäftigt sich mit den nächsten vier Stationen der Reise.  Mir ist bewusst, dass das ganz schön viel ist. Aber in gewisser Weise finde ich es ganz passend. Denn alle diese Orte sind recht klein, und die Sehenswürdigkeiten befinden sich vor allem in der Umgebung und sind meist durch eine kleine Wanderung zu erreichen.

Villa de Leyva ist etwa 4 Stunden mit dem Bus von Bogotá entfernt. Es ist ein kleines Örtchen, dass für seine gut erhaltene koloniale Architektur bekannt ist. Ein Highlight ist der angeblich größte gepflasterte Platz der Welt.

Aber nun kann man damit keinen ganzen Tag füllen. Ich beschloss also, meine erste Wanderung in Kolumbien zu einem kleinen Reservat mit drei Wasserfällen zu unternehmen. Im Gegensatz zu Deutschland ist es hier kein Problem, mit den öffentlichen Verkehrsmittel an jeden gewünschten Ort zu gelangen. Auch dass man nicht mehr zurückkommt weil kein Bus mehr fährt, ist keine Sorge die ich hier habe. Praktischerweise kann man einfach an jeder Stelle Ein-und Aussteigen. Das führt natürlich dazu, dass der Bus für die Strecke etwas länger braucht, aber das ist eine andere Geschichte…

Eine andere, überraschend anstrengende, Wanderung unternahm ich zu einem Aussichtspunkt oberhalb des Ortes. Im Internet als kleiner Spaziergang dargestellt, fand ich mich bald schwitzend und ziemlich kaputt auf der Spitze des Berges. Aber die Aussicht hat sich auf jeden Fall gelohnt. (Siehe Titelbild)

Als Belohnung besuchte ich am nächsten Tag ein paar Thermalquellen. Wie sich herausstellte, waren diese aber erst ab dem Nachmittag geöffnet. Freundlicherweise wurde ich von einer kolumbianischen Familie, die davon auch nichts wusste, „adoptiert“. 

Dabei wurde mein Spanisch dann zum zweiten Mal so richtig auf die Probe gestellt.

Es war am Ende ein wirklich schöner Tag; ich habe viel über das Land gelernt, Spanisch geübt und nette Leute kennengelernt. Und das sollte mir in den nächsten Wochen und Monaten noch öfter passieren. Es ist in den Hostels und anderswo immer leicht, ein paar Kolumbianer kennen zu lernen. Beim Backpacking ist das ja leider sonst manchmal nicht so der Fall.

Nach drei Nächten ging es dann weiter in die Stadt San Gil. Diese war eine Tagesreise entfernt und ist bekannt als die Hauptstadt des Abenteuers in Kolumbien. Man kann sich im Paragliding, Rafting und Höhlenerkunden versuchen. Danach stand mir aber nicht so sehr der Sinn. 

Stattdessen besuchten wir einen nahegelegenen Canyon. Hier gibt es eine der längsten Seilbahnen der Welt: Die Fahrt in eine Richtung dauert mehr als 20 Minuten und führt von einem Kamm zunächst ins Tal und auf der anderen Seite wieder hinauf. Wie man sich vielleicht vorstellen kann, ein sehr eindrückliches Unterfangen. Ich finde es faszinierend, was Menschen einfach so aus Spaß in die Natur bauen.

San Gil selbst ist nicht sehr sehenswert. Trotzdem hatte ich eine gute Zeit dort.

Ganz in der Nähe liegt das koloniale Städtchen Barichara. Nach dem Lärm und Gestank in San Gil war das eine willkommene Abwechslung für ein paar Tage. Auch hier gab es wieder Wanderungen zu unternehmen: zum Beispiel in ein kleines Dorf, etwa 3 Stunden zu Fuß entfernt. Ein Deutscher, der vor ziemlich vielen Jahren hier lebte, hatte den Weg begründet und so wandelten wir auf seinen Spuren. Zumindest ein bisschen.

Die nächste Station, Girón, hat als Sehenswürdigkeit ebenfalls ihre koloniale Architektur zu bieten. Aber daneben gab es noch eine weitere: Maracumango. Eine ausgehöhlte Maracuja wird mit ihrem Fruchtfleisch, Mango und Eis gefüllt. Eine Spezialität nach meinem Geschmack!

Sonderlich viel gibt es hier nicht zu tun, aber es ist ein gutes Sprungbrett gen Norden an die Karibikküste. Da dieser Sprung aber recht weit ist, nahm ich dafür das Flugzeug.

Dieser Flug katapultierte mich quasi in eine neue Welt, in der ich mich die nächsten 6 Wochen aufhalten würde. Mehr davon dann beim nächsten Mal.

Bogotá

Bogotá ist die Hauptstadt Kolumbiens und liegt auf 2500 Meter Höhe. Dementsprechend ist man z.B. beim Treppensteigen schnell außer Atem. Auch die Sonneneinstrahlung ist etwas anders als in Europa wie ist am ersten Tag schnell merkte. Obwohl es bewölkt war und ich vielleicht eine Stunde draußen war, hatte ich in der nächsten Woche einen schönen Sonnenbrand im Gesicht.

Ich verbrachte insgesamt drei Nächte in Bogota. Den ersten Tag nutzte ich, um etwas durch die Stadt zu spazieren und mich an das neue Umfeld zu gewöhnen. So besichtigte ich unter anderem den Hauptplatz (der wie in jeder kolumbianischen Stadt Plaza Bolivar heißt) und die Kathedrale. Besonders beeindruckend waren die tausenden von Tauben, die die Plaza Bolivar bevölkerten. Aus einem für mich nicht nachvollziehbaren Grund fanden es viele Menschen toll, Bilder mit ihnen zu machen, sie zu füttern oder sogar auf sich landen zu lassen. Einfach widerlich! Aber immerhin konnte man auch das Eine oder Andere Lama sehen.


Ich besichtigte noch das Goldmuseum, das viele Artefakte der Ureinwohner (nicht nur aus Gold, aber ich schätze, „Goldmuseum“ klingt einfach besser) enthält. Außerdem nahm ich an einer Free Walking Tour teil und lernte so noch etwas mehr über die Stadt, das man so nicht im Internet lesen kann.

Am letzten Tag bestieg ich gemeinsam mit dem Bruder eines kolumbianischen Arbeitskollegen den Hausberg Bogotás, den Montserrate. Dabei wurde mein Spanisch zum ersten Mal so richtig auf die Probe gestellt. Am Nachmittag erkundeten wir noch ein paar andere, modernere Stadtteile. Es war natürlich sehr interessant, mit einem Local unterwegs zu sein und ein paar Hintergrundinfos zu bekommen. Vielen Dank!


Damit hatte ich die Hauptstadt für mich zufriedenstellend erkundet und nach zwei großen Städten wurde es nun Zeit für etwas Ruhe und frischere Luft.
Mehr dazu beim nächsten Mal!

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